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Der
Adler ist ein vielschichtiges Symbol. Zunächst ist er Sinnbild alles
Edlen, Lichten. Der höchste Wert und innerste Kern der menschlichen Seele
... Er sitzt auf dem obersten Zweig des Weltenbaumes, Yggdrasil und ist
deshalb Bote der Götter.
Im Märchen spielt er eine wichtige Rolle, die Zwerge müssen ihn fürchten
... Ein Adlernest vom Felsen zu holen, gilt als eine der schwersten
Aufgaben, die der Teufel dem Helden stellt ... Hexen und Zauberer
verwandeln sich in Adler ... Er kennt auch den Lebenswasserquell.
Vögel, für die es keine Grenzen gibt, stehen allgemein für Freiheit und
sind Sinnbild der Seele. Wegen seiner grossen Kraft ist der Adler im Märchen
oft Träger und Wegleiter des Helden bei seiner Fahrt ins Unbewusste.
Der Adler ist als kühner Höhenvogel Sinnbild unbezähmbarer Sehnsucht
nach den höchsten Lichtträumen. Als goldener Vogel ist er eines der ältesten
indo-europäischen Symbole der kosmischen Ordnungsmacht. Mythologisch ist
der Adler mit dem Vogel Phönix verwandt und deshalb auch ein Symbol der
Selbsterneuerung. Mit einem Löwenrumpf ist er der Vogel. Er weiss um alle
Rätselhaftigkeit des Daseins, er frisst jedoch alle, die sich ihm nähern,
denn dem Sterblichen gebührt es nicht, in das höchste Wissen
einzudringen.
Die Gegensätzlichkeit von Adler und Schlange, als die von Geist und Körper
taucht in vielen Mythen auf und wird durch die Vereinigung der Gegensätze
als gefiederte Schlange zum spirituellen Symbol.
Der alte Mann tritt im Märchen
in verschiedenen Formen auf, als Greis, als Weiser, als Zwerg, als
Zauberer etc. Nach Jung symbolisiert er den Geist, das väterliche
Prinzip. Der alte Mann erscheint immer dann, wenn der Held sich in einer
aussichtslosen oder verzweifelten Situation befindet, aus der ihn nur gründliche
Überlegung oder ein glücklicher Einfall befreien kann. Die Figur ist
zwiespältig, einmal gross, das andere Mal klein, dem Geistigen verbunden,
aber zum Beispiel als Zwerg auch den Kräften der Natur, der Vegetation
und der Unterwelt. Wie alle Archetypen einen positiven, günstigen,
hellen, nach oben weisenden Charakter haben, so auch einen nach unten
weisenden, teils negativen und ungünstigen, teils bloss chthonischen,
aber im weiteren neutralen Aspekt. Davon macht der Archetypus des Geistes
keine Ausnahme.
Der
Apfel ist nahrhaft und gesund und deshalb ein wesentlicher
Bestandteil natürlicher Ernährung. Seit der Steinzeit ist er in
Nordeuropa heimisch und taucht auch in vielen Mythen auf. Freyr zum
Beispiel wirbt in der Edda mit goldenen Äpfeln um Gerd.
Die goldenen Äpfel erinnern an die Äpfel der Hesperiden. Die
Mutter Erde Gaia hatte Hera zur heiligen Hochzeit mit Zeus einen
Apfelbaum mit goldenen Äpfeln geschenkt. Diese goldenen Äpfel
sichern den Göttern die ewige Jugend. Durch seine runde Form ist
der Apfel ein weibliches Symbol. Eva verführt Adam mit einem Apfel
vom Baum der Erkenntnis. So ist der Apfel im Zusammenhang mit Liebe
und Fruchtbarkeit ein Symbol der Unsterblichkeit, gleichzeitig aber
auch eine Frucht der Wahrheit und Erkenntnis. Newton fiel ein Apfel
auf den Kopf, als er die Gravitation entdeckte. Weil das Bild des
Apfels mit der Idee der Erleuchtung verbunden ist, wird der Apfel
bisweilen auch mit der Sonne identifiziert. Zugleich ist er ein
Liebessymbol und das Zuwerfen eines Apfels ein Liebeszeichen. So ist
er ein Sinnbild der Fruchtbarkeit. Als kugelförmige Frucht ist der
Apfel ein Symbol der Einswerdung aller Gegensätze und der Gottähnlichkeit.
Im Märchen verleiht der Genuss eines Apfels Fruchtbarkeit, oft
direkt Schwangerschaft. Ausserdem heilen die Äpfel im Märchen
Krankheiten bzw. wecken Tote zum Leben. Umgekehrt treffen wir auch
Äpfel des Schlafes und des Todes.
In vielen Mythen und Märchen symbolisiert der Apfel Liebe und
Sexualität in ihren wohltätigen wie in ihren gefährlichen
Aspekten.

Der Held
des Märchens hat Aufgaben zu erfüllen, gewöhnlich sind es drei, bevor
er sein Ziel erreicht und die seltene Kostbarkeit erlangt, oft ist das das
„halbe Königreich“ und die Hand der Prinzessin. Erst nachdem der
Dummling die volle Persönlichkeitsintegration - symbolisch ausgedrückt
durch die Erfüllung der drei Aufgaben - errungen hat, wird er Meister
seines Geschicks.
In vielen Märchen erscheinen die drei Aufgaben als unlösbar. Der Held
hat jedoch zuvor auf seiner Suchwanderung ungewöhnliche Begegnungen
gehabt - oft mit Tieren-, bei denen seine moralischen Qualitäten wie zum
Beispiel Hilfsbereitschaft, Mitleid, Ehrfurcht vor dem Leben und andere,
geprüft wurden. Aus diesen Prüfungen geht magische Unterstützung
hervor, mit deren Hilfe er die unlösbaren Aufgaben bewältigen kann. In
manchen Märchen sind es aber auch allein die Schlauheit und das Geschick
des Helden, die es ihm ermöglichen, die Aufgaben zu erfüllen.
Unlösbare Aufgaben treten aber auch in einem anderen Zusammenhang auf.
Den Teufel schafft man sich durch unmögliche Aufgaben vom Halse. Er muss
ein krauses Haar strecken, einen Bauchwind fangen, einen Strick aus Sand
drehen, ein leckes Schiff auspumpen, Frösche auf die Bäume setzen, die
Wagenachse tragen, als ein Rad gebrochen ist, Wasser im Sieb holen und
andere Das zeigt auch, dass der Dummling, der die ihm gestellten unlösbaren
Aufgaben mit höherer Hilfe lösen kann, dem Teufel überlegen ist.
Die
Vorstellung des Ewigen und Unverrückbaren umweht den Berg. Er ist Sitz
der Ahnen und auf dem heiligen Berg haben die Götter ihre Wohnstatt. Im
Berge wohnt immer der Alte, der Urvater, wie Barbarossa im Kyffhäuser,
wie Rübezahl im Riesengebirge, wie die indischen Götter auf dem Himalaja
oder die griechischen Götter auf dem Olymp. Der Weltenberg ist die männliche
Entsprechung zum weiblichen Weltenmeer.
Das Gebirge mit seinen Dunkelheiten und Gefahren [ist ein] magischer
Bezirk. Im Märchen ist der Berg Aufenthaltsort eines Ungeheuers. Im
hohlen Berg wohnen Räuber, Zwerge, die hier ihre Schätze verwahren. Die
Wände bestehen aus Gold und Edelgestein. Ein echter Märchenberg ist der
Glasberg. Nur mit besonderen Zaubermitteln ist er zu besteigen. Das
Kostbarste und Wunderbarste ist auf oder im Berg zu finden.
Der Held muss den Berg besteigen, was oft dadurch erschwert wird, dass der
Berg aus Glas und deshalb glatt ist. Dieser Aufstieg, der mit Anstrengung
verbunden ist, bedeutet eine seelische Weitung, eine
Bewusstseinserweiterung, die das Erreichen des Gipfels vermittelt. So
symbolisiert der Berg das zu erreichende Ziel im Unbewussten.
Unter
den unsterblich machenden Früchten ist der Apfel oftmals ein Symbol des
Eros und der Fruchtbarkeit: er galt als weiblich, die Birne als vorwiegend
männliches Symbol.
Wer
blind ist, sieht die Realität nicht, er ist hilflos und abhängig.
Deshalb weist Blindheit auf die Notwendigkeit der Erlösung hin. Im
Blindekuh-Spiel ist diese Idee umgesetzt.
Der Verlust des Augenlichts bedeutet aber auch eine Hinwendung nach innen,
auf die inneren Werte. Seher galten für die äussere Welt blind, weil sie
mittels Innenschau durch die Dinge hindurchsahen, also weiter sahen.
Der
Dummling kommt in vielen Märchen als solcher vor. Dummling ist aber nicht
eine bestimmte Person, sondern eine typische Rolle im Märchen, die durch
eine Figur beiderlei Geschlechts besetzt sein kann, die nicht
ausdrücklich Dummling genannt, aber so behandelt wird.
Dummling meint das Kind, das gerade beginnt, seine Rolle in der
Gemeinschaft zu erleben. Es ist unerfahren mit den Gegenständen des
täglichen Gebrauchs, unerfahren aber auch mit den menschlichen
Verstrickungen. In seiner Unbeholfenheit wird das Kind zusätzlich
zurückgesetzt, wenn ihm von Älteren immer wieder vorgehalten wird, dass
es zu allem zu dumm sei, zu nichts tauge und aus ihm auch nie etwas werde.
Aus dieser Situation bricht der Dummling im Märchen aus. Ob freiwillig
oder notgedrungen, verlässt er die beengende Geborgenheit und zieht in
die weite Welt, was der Suche nach Selbstfindung entspricht.
Die Seelenlandschaft, die das Kind in dieser Phase betritt, ist verwirrend
vielfältig, aber noch nicht entfaltet. Im Märchen wird sie oft durch den
Wald symbolisiert, durch den der Dummling seinen Lebensweg finden muss.
Dumm sein bedeutet einen undifferenzierten Existenzzustand, der den
Kämpfen zwischen Es, Ich und Über-Ich in der vielschichtig gewordenen
Persönlichkeit vorangeht.
Der Dummling symbolisiert somit den Schritt in die Autonomie. Die dabei
lauernden Gefahren sind seelischer Natur. Im Märchen werden sie durch die
drei Aufgaben dargestellt, die der Dummling gewöhnlich zu lösen hat.
Erst nachdem der Dummling die volle Persönlichkeitsintegration -
symbolisch ausgedrückt durch die Erfüllung der drei Aufgaben - errungen
hat, wird er Meister seines Geschicks.
Die Suchwanderung des Dummlings wird durch eine häusliche Situation
ausgelöst. Sie beginnt meist mit Prüfungen, zum Beispiel auf Mitleid,
Hilfsbereitschaft, Mut etc.. deren Bedeutung aber zunächst unklar bleibt.
Später, wenn der Dummling vor scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt
wird, kommen ihm die Elemente aus den Prüfungen zu Hilfe. Hat er zum
Beispiel einem Fisch das Leben gerettet, kann der später vielleicht für
ihn in einen tiefen Brunnen hinabtauchen, um einen Schlüssel
heraufzuholen. Durch solche verdiente Hilfe kann der Dummling die
Aufgabe(n) lösen, kann erreichen, was noch keiner vor ihm geschafft hat.
So gewinnt der Dummling die volle Reife, was gewöhnlich dadurch zum
Ausdruck gebracht wird, dass er das halbe Königreich und die Prinzessin
dazu bekommt, also sein weltliches Erbe übernimmt und in himmlischer
Hinsicht vollständig wird. Seine Suchwanderung ist vollendet.

Das
Einhorn ist oft dargestellt worden als weisses Pferd mit einem Horn. Einer
alten Legende gemäss soll es sich mit einer Hetäre in der heiligen
Hochzeitsnacht verbinden, damit Regen entsteht und somit Fruchtbarkeit.
Nach einer anderen Legende muss das Einhorn im Schoss einer Jungfrau gezähmt
werden, und aus diesem Zähmen erfolgt die Zeugung und Geburt des göttlichen
Kindes. Mit diesem einen Horn ist eine unbändige Kraft verbunden, und
zwar kann diese Stosskraft sowohl sexueller als auch spiritueller Natur
sein. Dieses Horn wiederum ist die Essenz des Stärke, Gesundheit und
Leben bedeutenden Einhorns. Es symbolisiert die ungebändigte männliche
Kraft. Es steht für jene Entwicklungsstufe, in welcher junge. postpubertäre
Männer ihre Kraft ungehemmt ausleben. Das gezähmte Einhorn steht dann für
jene Lebensstufe, in welcher die Kraft ein Ziel erhält und schöpferisch
wirkt. ... Abbildungen, welche zeigen, wie ein Einhorn seinen Kopf in den
Schoss einer jungen Frau legt. Die Frau „zähmt“ die Kraft des Mannes
und gibt ihr Ziel und Sinn.
Bei den
Griechen galt der Esel als Symbol des bösen Prinzips. Er ist das
„schlechte Pferd“, störrisch, dumm und faul. Auf dem Esel statt auf
dem stolzen Pferd zu reiten, bedeutet deshalb nicht nur Demut oder Demütigung,
sondern auch die Beherrschung der niederen Kräfte.
In Indien Lind in der antiken Welt galt der Esel als Symbol der Geilheit.
... Das Einhorn steht in einer merkwürdig nahen Beziehung zum Esel und
wurde sogar öfters als einhörniger Esel aufgefasst. In der christlichen
Symbolik wandelt sich der Esel zum Symbol der Demut. Jesus reitet auf
einem Esel in Jerusalem ein.
Eule und
schwarzer Rabe gehören einerseits zur Nacht- und Dunkelseite des Lebens,
andererseits sind sie auch Vögel der Weisheit. Wissen aber erwirbt nur
derjenige, der auch zutiefst die dunkle Seite des Menschlichen erfahren
hat.
Die Eule gilt als Vogel der Athena. Athena ist die Göttin der Weisheit,
des Krieges, des Kämpfertums, des Handwerks. Die Eule ist Symbol der nächtlichen
Weisheit, im Sinne des Seherischen und der Ahnungen.
Im Volksmund wird die Eule auch Leichenhuhn genannt. Dann ist sie ein dämonisches
Gespenstertier, ein Hexenvogel, zum Beispiel in Jorinde und Joringel
Im
Element Feuer wird die Energie besonders direkt erfahren. Feuer wärmt und
beschützt, aber es verbrennt und vernichtet auch. Durch die Beherrschung
des Feuers vollzieht der Mensch einen bedeutenden Schritt fort vorn Tier
hin zum Göttlichen. Das irdische Feuer steht in direkter Verbindung zum
himmlischen Feuer der Sonne.
Das Feuer, gebändigt im Herd und gehütet von der Frau, wird zum
Mittelpunkt des Hauses und der Kultur an sich. Bei Geburts- und
Hochzeitszeremonien wurde das Feuer umschritten. Damit ist auch die Idee
vom Läuterungsprozess im Feuer, der Reinigung verbunden, denn das Feuer
hinterlässt nur Asche, die steril ist und nicht weiter vernichtet werden
kann.
Feuer ist ausserdem das Element, durch welches die Wandlung stattfindet,
und als solches ein Symbol des Bewusstseins. Auch ist das verborgene
innere Feuer ein Symbol der Leidenschaft.
Im Feuer haben wir ein umfassendes Symbol des physischen Lebens. Darum
reden wir auch von einem „feurigen“ Menschen, von der „Flamme“ der
Begeisterung und „Erleuchtung“ und „Läuterung“ einer Idee.
Weil er
im Tümpel und Sumpf lebt, hat der Frosch eine starke Beziehung zum
Ursumpf und seinen Geheimnissen. Er ist deshalb ein Tier der Hexe. Gleich
dem Sumpf ist der Frosch, wie auch die Kröte, ein Symbol der
Fruchtbarkeit der Natur.
Kröte und Frosch sind die Tiere des Wassers und des Landes, sie sind also
Tiere des Übergangs, sind, wegen der vielen Wandlungsstufen, die sie
durchmachen, auch Symbol für die Wandlung. Im Frosch verkörpert sich der
um alle Abgründe und Zukünfte wissende Brunnengeist, Urgott der
Wassertiefe, wie der Mimir der Edda, der froschköpfige Mam der Azteken,
der froschköpfigen göttlichen Geburtshelferin Heket der Ägypter. Auf
der tiefsten Ebene symbolisieren die Frösche daher unser frühestes
Leben; auf einer etwas zugänglicheren Ebene repräsentieren sie unsere Fähigkeit,
von einer niedrigen auf eine höhere Lebensstufe zu gelangen.
Schnell,
gewandt und pfiffig zeigt sich der Fuchs im Märchen, am Rande der gängigen
Moral, aber unerschütterlich hilfsbereit. Er tritt wie der Bär oft als
hilfreiches Wesen auf, weil er aber keine grossen Körperkräfte besitzt,
geht er mehr mit List, Verschlagenheit und Schläue vor. Die rote Farbe
seines Felles bringt ihn in Verbindung mit dem Teufel, zeigt, dass er auch
etwas Dämonisches an sich hat. In der keltischen Tradition ist der Fuchs
ein Seelenbegleiter, er hat die Qualitäten des griechischen Gottes Hermes
der Tore und Türen hütet und öffnet, ein Gott der Übergänge und Aufbrüche,
Beschützer der Wanderer und Grenzgänger.
Die
Amphore, der Krug oder Becher sind Instrumente des Bewahrens und
Verbergens, dadurch aber auch Metaphern der geheimen Fülle und des Überflusses.
Gefässe sind Symbole für die menschlichen Möglichkeiten des Empfangens,
Bewahrens, aber auch des Wandelns und Nährens. Durch seine höhlenartige
Form ist das Gefäss, ein Gleichnis für das aufnehmend-weibliche Wesen.
Ein Symbol des Mutterschosses. In einigen Märchen weisen Becher und Gefäss
darauf hin, dass das Mädchen Frau geworden ist.
Seine besonderen Eigenschaften und das
seltene Vorkommen machen Gold zum Edelsten aller Stoffe und ordnen es an
die Spitze des Grobstofflichen, als Übergang zum Feinstofflichen. Mit Gold
verbinden wir die Vorstellung von etwas Ewigem, Strahlenden, wir bringen
es mit dem Licht der Sonne in Verbindung, das dem Leben seine Farbigkeit
zu geben vermag. Das Leuchten des Goldes hat seine Entsprechung im
Leuchten der Sonne. Im Gold kann das Hereinholen des Kosmischen ins
Erdenleben ausgedrückt sein, das Hereinholen der Transzendenz ins
Alltägliche. Gold ist relativ unzerstörbar, hat dadurch auch den Aspekt
von Dauer und Ewigkeit.
Gold bedeutet den höchsten Wert, es ist das königliche Metall und
kennzeichnet immer das Besondere, Herausragende. Es weist über das
Weltliche und Alltägliche hinaus und ist deshalb ein Sinnbild für das
Selbst, das höchste Bewusstsein, den göttlichen Geist. Es ist auch Symbol
des Licht- und Sonnengottes und als solches männlich im Gegensatz zum
weiblichen Silber. Gold und Silber sind wie Sonne und Mond symbolische
Urgegensatzpaare.
Gelb wird oft mit Gold gleichgesetzt, das ja von gelber Farbe ist und nur
durch den Oberflächenglanz erhöht wird. Der Grund für diesen Ersatz war
früher eher praktischer Natur, weil gelbe Farbe leichter verfügbar war.
Gelb ist die lichteste Farbe und wird mit der Sonne und dem Licht des
Geistes und dem Intellekt in Verbindung gebracht. Es wirkt leicht und
schwerelos und bedeutet psychologisch die Erlösung von Schwerem,
Bedrückendem oder Hemmendem.

Das
Kopfhaar ist sichtbares Produkt der körperlichen Schöpfungskraft und
steht als solches analog zur sexuellen Kraft. Besonders bei der Frau ist
das Haar ein erotisches Attribut und verleiht ihr in Sage und Märchen die
Gabe, wann immer sie wollte, die Männer mit ihren Haaren zu behexen, zu
binden, zu fesseln, zu knoten, zu ketten und zu umgarnen... Hier erscheint
die Zauberin unzweideutig mit den erotischen Konnotationen, die man im
Volksglauben den jungen und schönen Hexen mit ihren Sukkubus-Qualitäten
im allgemeinen und dem Liebeszauber ihrer Haare im besonderen zuschrieb.
Bei sexueller Obsession kann Haar zu einem Fetisch werden. Als Zeichen der
Lossagung - auch von irdischen Bindungen - wird das Haar von Nonnen und Mönchen
geopfert.
Haare, die das ganze Wesen enthalten, gelten als der Sitz der geheimen
Lebenskraft. Das lange Haar war deshalb ein Zeichen des adeligen, freien
Menschen und des Priesterstandes, während Sklaven, Soldaten und
Gefangenen das Haar geschoren wird. Bei dem Mann bedeutet das Haaropfer
eine Art stellvertretende Entmannung,, denn Haare zeugen auch von Kraft,
von ungebändigter Kraft, im körperlichen, aber auch im erotischen Sinne,
also von einer ungeheuren Energie.
Schmuck aus den eigenen Haaren geflochten gilt als Versprechen
lebenslanger Verbundenheit. Der Besitz von Haaren stellt eine Beziehung
zur Lebensenergie der betreffenden Person her, was die als Liebesbeweis
abgeschnittene Locke zeigt. Der Besitz der Haare des Teufels verschafft
dem Helden eine gewisse Macht über dessen Wirken.
Weil das Haar aus dem Kopf spriesst, steht es auch in Beziehung zu den
Gedanken, die ebenfalls vom Kopf hervorgebracht werden: Das Kopfhaar ist
in Märchen, Traum und Mythos ein beliebtes Symbol für die Kraft der
Gedanken, Vorstellungen und Phantasien, die genau wie das Haar aus dem
Haupte hervorspriessen.
Im Märchen
ist der Protagonist, der Held, oft das jüngste Kind, der Dummling.
Eine der
Hauptfiguren des Märchenreichs ist die Hexe, die tief im Zauberwald
verborgen lebt. Sie ist eine archetypische Mutterfigur, das alte Weib, die
Grosse Göttin oder Grosse Mutter, die ein geheimes Wissen über die
Natur, besonders die Kräuter, besitzt, zauberwirksame Rezepturen kennt
und damit Menschen und Tiere beherrscht. Sie kennt grausliche Sprüche und
Flüche und ist auch eine Wetterhexe.
Neben Katze und Kröte ist der Kessel ein wichtiges Insignium. Aus diesem
Kessel gehen ihre Schöpfungen hervor und in diesen Kessel werden sie alle
irgendwann wieder eingerührt. So ist in der Hexe auch der Todesaspekt der
Mutter Natur ausgedrückt, die mit ihrer furchtbaren Seite ihre eigenen
Geburten wieder zerstört und in sich zurücknimmt.
Die Hexe wirkt bedrohlich und ihre Aufgabe ist oft, den Helden zu prüfen.
Nur durch diese Prüfung aber kann er gestärkt hervortreten und den Weg
aus dem Zauberwald finden. Hexen sind ja nicht einfach destruktiv: je
nachdem wie man sich ihnen nähert, können sie hilfreich oder auch zerstörerisch
sein. Das ist die eigentliche, in der Hexe symbolisierte „grosse Mutter
Natur“, die dem, der lernend und sich bemühend mit ihr arbeitet, ihre
Gaben und Fähigkeiten zur Verfügung stellt.
Psychologisch ist das, was im Märchen Hexe heisst, ein tiefer
instinktiver Impuls, ein bequemes, sattes, warmes Nest dem Kampf um die
Welt vorzuziehen. Damit korrespondiert die Hexe als dämonische
Mutterfigur, die den Hunger der Kinder dazu benutzt, um sie für höchst
egoistische Zwecke auszunutzen. Allgemein steht die Hexe für die
magische, böse und negative Seite des Unbewussten, sie ist die Schöpfung
unserer Wünsche und Ängste. Die Hexe symbolisiert die Tiefenkräfte der
Seele, die dunkle Seite im Menschen, die uns oft fasziniert. Wer ihnen
nachgibt. verliert häufig seine bisherige Gestalt und Würde. Die Hexe
ist auch die Schattenseite der Mutter, sie verlangt, dass die Seele sich
von ihr frei mache, und wird so zu einer wesentlichen Figur im
Individuationsprozess des Menschen.
Der krönende
Abschluss vieler Märchen ist die Hochzeit. Beschreibt das Märchen die
Suchwanderung des Kindes durch die verwirrende Welt, so sind das Ziel
dieser Suche die Integration und das Ende der Kindheit, das mit der
Hochzeit, dem Beginn einer neuen Generation, besiegelt ist. Die Hochzeit
zwischen dem Helden und der Prinzessin als ersehnte Vereinigung der Gegensätze
meint im Märchen aber niemals nur, dass da eine Norm erfüllt wer
den soll, sondern es ist die glückhafte Vereinigung damit ausgedrückt,
die notwendig ist, damit das Leben weitergehen kann.
Psychologisch symbolisiert die bleibende Verbindung eines Königssohns mit
einer Königstochter die Integration der verschiedenen Persönlichkeitsaspekte
des Es, des Ich und des Über-Ich und die gelungene Harmonisierung der
bislang auseinanderstrebenden Tendenzen des männlichen und weiblichen
Prinzips. Auf metaphysischer Ebene klingt die mystische Hochzeit an,
welche eine Vereinigung von Bewusstem und Unbewusstem darstellt.
Kobolde
sind mit den Zwergen verwandt, jedoch nicht so irdisch-materiell
eingestellt wie sie, sondern mehr luftig-geistig. Gewöhnlich sind sie dem
Menschen hilfreich und verlangen keinen Lohn, dafür erlauben sie sich
aber auch gerne manchen Schabernack. Undank und Kränkung empfinden sie
als Treulosigkeit. Dann können sie in ihrer Rache sehr phantasievoll
sein.
Psychologisch betrachtet, berühren Kobolde eine Schicht des Unbewussten,
die uns schwer zugänglich ist und die wir oft fürchten.
Symbol
des Selbst, der gesuchten Kostbarkeit, des Steins der Weisen.
In der
Kröte spiegelt sich die Ambivalenz, die auch den Archetyp der Hexe
auszeichnet. Einerseits ist sie ein Symbol der Fruchtbarkeit und wird auch
mit dem Uterus in Verbindung gebracht, andererseits verkörpert sie mit
ihren Giftwarzen und dem alles verschlingenden Maul das Tödliche. Die Kröte
gilt deshalb als ein Tier der Erdmutter, ist aber auch ein Orakeltier. Von
daher besteht die nahe Verbindung zu den Hexen.
Mit dem
ersten Atemzug beginnt das Leben und mit dem letzten endet es. Im Atem
wird deshalb die Lebenskraft gedacht und durch den Mund fährt diese
Lebenskraft ein und aus. Deshalb symbolisiert die Geste des Küssens das
Spenden dieser Lebenskraft. Wenn jemandem auf die Stirn geküsst wird, ist
das wie das Auflegen der Hände auf den Scheitel ein Ausdruck des Segnens.
Wenn wir jemandem die Hand küssen, legen wir unsere Lebenskraft bildlich
in seine Hände. Beim Kuss auf den Mund wird die Lebensenergie direkt
eingehaucht und der oder die Empfangende wachgeküsst, ins Leben zurückgeküsst.
Im Begriff des Freiküssens drückt sich der erlösende Aspekt des Kusses
aus. Die Entzauberung geschieht bisweilen durch Kuss.
Zwischen Mann und Frau ist der Kuss ein wechselseitiger Vorgang, bei dem
die Lebensenergie ausgetauscht bzw. vereint wird. Die Analogie von Lippen
und Zunge zu den Geschlechtsorganen vertieft diesen Vorgang in die
erotische Dimension.
Sie ist
die abendländische Entsprechung zum Lotus, Sinnbild der Reinheit der
Seele. Als Sumpfpflanze entspringt sie dem morastigen Urgrund, wächst dem
göttlichen Licht entgegen und öffnet ihm die Zartheit ihrer Blüte. Sie
ist damit Symbol der Wandlung und Transformation. In dieser Bedeutung wird
sie auch als Grabblume verwendet.
Der
Lindwurm oder die Schlange stellt die unbewussteren physischen Reaktionen
der Psyche dar.
Meer
Das Meer
birgt Schätze und Gefahren. In seinen unergründlichen Tiefen leben
geheimnisvolle Wesen. Es bietet Nahrung und scheint darin unerschöpflich.
Man muss sich nur „an Land ziehen“, was man braucht. Das Meer zieht
den Menschen aber auch in „sein feuchtes Grab“. So ist es ähnlich wie
die Hexe gebärend und verschlingend ein Bild für die grosse Mutter
Natur.
Das Meer ist zudem Sinnbild der unbekannten Ferne, des Abenteuers, das die
Lebensreise ausmacht. Seine spiegelnde Oberfläche ruft die Vorstellung
einer „anderen“ Welt hinter der Oberfläche hervor. So ist das Meer
auch ein Gleichnis für die Seele mit ihrer unbewegten absoluten Tiefe und
der von den Gezeiten des Lebens aufgewühlten Oberfläche. Das Meer ist
ein Bild für die ununterscheidbare, lebendige Ureinheit des Seelischen,
des unbewussten, d.h. unerkennbaren Lebensgrundes, der vor jeglicher
Einzelerscheinung war.
Das
stetige Drehen der Mühlsteine bildet eine Analogie zum unaufhörlichen
Drehen der Welt. Und so wie die Mühle die Getreidekörner zermahlt, um
sie aufzuschliessen und dem Veredelungsprozess des Backens zuzuführen, so
formt das Getriebe der Welt den Menschen und öffnet ihn für eine höhere
Sicht. Daraus erlangte die Mühle eine sinnbildliche Bedeutung als
Schicksalsmühle, mit der auch die Vorstellung des Mühsamen (Tretmühle)
und des irdisch Schwerfälligen verbunden ist.
Der Müller ist der, der um das Schicksal weiss. In der Edda ist es der König
Frodi, im Volksglauben der Germanen der Bauerngott Thor. Die Märchen
haben Thor zum Teufel verkehrt, deshalb ist die Mühle oft ein
verwunschener Ort, der Müller ein Zauberer oder Erzschurke, der mit dem
Teufel im Bunde steht.
Nach dem Buch Hiob und dem Talmud deutet Mahlen entsprechend den beiden Mühlsteinen
auch den Geschlechtsverkehr an. Darum gilt die Mühle auch als heimlicher
Verlobungsort. Da die Mühle meist einsam lag und dazu noch am Wasser,
galt sie auch als Ort des Unheimlichen, der Geister und Gespenster der
anderen Welt.
Sie ist
morphologisch dem weiblichen Geschlecht verwandt und ihre Heimat ist das
weibliche Meer. Deshalb steht die Muschel für Erotik und Fruchtbarkeit.
Bis heute ist Muschel ein zärtliches Synonym für den weiblichen Schoss.
Unzweifelhaft vertraut war den Griechen auch die Gleichsetzung der
Seemuschel mit dem weiblichen Genital. In Indien wird die
Hochzeitszeremonie dadurch angekündigt, dass man in eine grosse Muschel
bläst. Die Perle, die eine Muschel in sich bergen kann, erweitert das
Symbol in die geheimnisvolle Dimension der kostbaren Schöpfung.
Die
Auster, die Seemuschel, die Schnecke und die Perle sind für die Lehre,
dass die Welt aus dem Wasser entstehe, wie auch für die geschlechtliche
Symbolik, gleichsam typenbildende Muster. Sie alle haben teil an den in
Gewässern, im Mond und in der Frau konzentrierten heiligen Kräften, sie
sind ferner, aus verschiedenen Gründen, Sinnbilder für diese Mächte: Ähnlichkeit
zwischen der Seemuschel und den weiblichen Genitalien, Beziehungen, die
Austern, Gewässer und Mond miteinander verbinden, zuletzt die gynäkologische
und embryologische Symbolik der Perle, die sich in der Auster bildet. Die
Perle, einst ein Symbol der zeugenden Kraft oder Sinnbild einer
transzendenten Wirklichkeit, hat im Abendland bloss noch den Wert eines
„Edelsteins“ bewahrt.
Die Perle entwickelt ihr mondgleiches Schimmern im geborgenen Dunkel der
Muschel. Sie ist ein verborgener, grosser Schatz aus der Tiefe des Meeres.
Deshalb gilt sie bei uns als grosse Kostbarkeit, als etwas Vollendetes.
Bei den Mystikern ist sie das Symbol für die Erleuchtung, das Symbol für
das Finden einer Einheit zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.
Bei den Griechen war die Perle das Sinnbild der Liebe und der Vermählung.
Bei Clemens von Alexandrien ist sie der Logos, das heisst der Christus,
der aus der Jungfrau geboren wurde. Sie ist ein kostbarer Schatz, das
Himmelreich, das man sucht, das aber leicht verloren gehen kann, wenn man
sich ablenken lässt.
Eine im Orient beheimatete Überlieferung erklärt die Geburt der Perle
als Frucht der vom Blitz geschwängerten Miesmuschel: die Perle sei die
Frucht der Vermählung des Wassers mit dem Feuer.

Die
Quelle gilt von alters her als Symbol für den gebärenden Mutterschoss.
Es ist der Ort, wo der überfliessende Reichtum der Erde frei gegeben
wird. Die Quelle ist der Ort, wo sich der Schoss der Erde öffnet und das
Leben, symbolisiert durch das Wasser, hervorbringt. Quellen gelten deshalb
auch als Eingang zur Jenseitswelt. Wenn im Märchen eine Quelle vergiftet
ist, dann weist das darauf hin, dass das Leben vergiftet ist. Als Symbol
des strömenden Lebens ist die Quelle wesensverwandt mit dem Bild der
Anima.
Die
beiden Raben Hugin und Munin -das heisst, Gedanke und Gedächtnis- fliegen
jeden Morgen in die Welt hinaus, um sich danach rechts und links auf Odins
Schulter zu setzen und ihm ins Ohr zu raunen, was sie in der Menschenwelt
gesehen haben. Eule und schwarzer Rabe gehören einerseits zur Nacht- und
Dunkelseite des Lebens, andererseits sind sie auch Vögel der Weisheit.
Wissen aber erwirbt nur derjenige, der auch zutiefst die dunkle Seite des
Menschlichen erfahren hat. Raben sind nicht nur Verwandlungsgestalten für
die Seelen, die in den Bereich des Hel oder Odins geraten, sie sind auch
vielwissend und zukunftsfreudig wie der Totenführer Odin selber, sie sind
seine Boten, die von allem Gebannten wissen.
Der Rabe tritt als Sieges- und Todesbote auf. Sein glänzendes, schwarzes
Gefieder betont den schicksalsschweren Aspekt. Als Verkünder des Unglücks
wird er selbst zum Pechvogel oder Unglücksraben.
Rätsel
sind im Märchen oft der Schlüssel zur Erlösung, zur Erlangung der
seltenen Kostbarkeit oder zur Hochzeit mit der Prinzessin. Das Wort Rätsel
ist eine Ableitung von dem Zeitwort „raten“. Neben der Grundbedeutung
dieses Verbums „für etwas sorgen“ scheint sich früh eine andere
entwickelt zu haben; denn als „raten“ bezeichnet man auch die
Kundgebung einer Meinung oder eines Entschlusses auf Grund innerer
Sammlung und Überlegung. Eine ernste Betätigung des Geistes, der sich um
Auflösung dunkler Geheimnisse oder um den tieferen Sinn des
Handgreiflichen bemüht. Das Rätsel steht für das Geheimnis der Schöpfung,
dem sich der Mensch gegenüber sieht.
Ein weit verbreitetes Märchenmotiv sind die drei Rätsel, die dem Helden
von einer Prinzessin gestellt werden. Löst er sie nicht, muss er sterben;
löst er sie, gewinnt er die Prinzessin. Das Rätsel, das eine bestimmte
Frau stellt, steht für das Rätsel des Weiblichen allgemein, und da die
Heirat gewöhnlich auf die richtige Lösung folgt, ist zu vermuten, dass
es sich um ein sexuelles Rätsel handelt; wer das Geheimnis des anderen
Geschlechts versteht, ist zur Reife gelangt.
Riesen
gelten als Ureinwohner der Erde und stehen für die chaotische Gewalt der
Elemente. Deshalb fürchten sie Thor oder Zeus, die Bringer und Hüter der
Ordnung sind. Riesen haben gewaltige Kräfte, können Bäume entwurzeln
und Felsbrocken schleudern. Sie werden in der Folklore allgemein gern als
unbeherrscht und oft auch als dumm dargestellt. Sie verkörpern das
Prinzip der rohen Gewalt und sind in diesem Sinn psychologisch
unkontrollierte, halb bewusste, triebhafte Impulse. Der Riese ist ganz
eindimensional: Wenn er einmal gespurt hat, läuft alles in einer
Einbahnhandlung ab, deshalb ist sein Verhalten auch so berechenbar. so
voraussehbar.
Erwachsene sind wie Riesen in den Augen des Kindes, Riesen, von denen der
Mann ein Menschenfresser ist und dessen Frau durch Geschenke gewonnen
werden muss. Bei mürrischen Riesinnen Herberge suchen und deren
schmutzige Kost essen und sich sogar noch dafür bedanken, das ist das Los
mancher Kinder im Märchen.
Das
Gleichnis für das hohe Ziel, dem alle Lebensmühe gilt, auf das sich alle
Träume richten, ist der Schatz. Er ist tief in die Erde vergraben, auf
den Meeresgrund versenkt oder sonst wie unerreichbar verborgen und wird
von zumeist mächtigen oder listigen Gegnern bewacht, alles Personal, das
der jenseitigen Welt angehört und darauf verweist, dass der wahre Schatz
nicht materieller, sondern spiritueller Natur ist. Die Bezeichnung Schatz
für den/die Geliebte/n ist Beleg dafür.
Der Zweck des Abstiegs ist im Heldenmythos ganz allgemein dadurch
gekennzeichnet, dass in jenem Gefahrenbezirk die „schwer erreichbare
Kostbarkeit“ zu finden ist. Die Erringung des Schatzes bedeutet deshalb
einen Bewusstseinsgewinn, die Entdeckung der seelischen Wirklichkeit, ein
neues Leben oder eine neue Lebensstufe.
Schlaf
ist nach Homer der kleine Bruder des Todes, im Märchen stellt er den
Zustand einer Verwandlung dar, den Beginn einer Wiedergeburt, die mit dem
Zustand der Reifezeit gegeben ist. Im Grunde zeigt der Schlaf ein Eingehen
in sich selbst, in das eigene Unbewusste, in dem sich oft Lösungen
vorbereiten, die das Tagesbewusstsein nicht fand. Grosse Wandlungen kündigen
sich im Märchen oft durch Schlaf, durch die schöpferische Pause an.
Die
Schlange ist ein ausserordentlich vieldeutiges Symbol. Es reicht von der
Schlange des Paradieses über die Midgardschlange der germanischen
Mythologie bis zur Äskulapschlange Griechenlands oder die Hydra.
Über die ganze Erde verstreut taucht dieses Symbol immer wieder auf und
wird mit den verschiedensten Inhalten erfüllt. Es handelt sich hier
offensichtlich um ein Stück unbewusster Naturkraft, das weder gut noch böse
ist, wie die Natur selbst, und auf einer noch undifferenzierten, jeder
persönlichen Beziehung fremden Stufe des Kaltblüterdaseins steht. Einem
solchen Stück Natur entspricht in der Seele des Menschen der Triebgrund
und die natürliche, an sich gesunde, aber noch undifferenzierte und
unpersönliche Triebhaftigkeit.
Die Schlange bedeutet die Unterwelt, das Chthonisehe, das Angsterregende,
Triebhafte und die dunkle Mutter. Sie stellt die unbewussteren physischen
Reaktionen der Psyche dar.
Ein weiterer Aspekt ist die oft mythologisch dargestellte Gegensätzlichkeit
von Adler und Schlange, als der von Geist und Körper, das archetypische
Bild der Feindschaft zwischen Vogel und Schlange. Es ist Symbol des
Gegensatzes von Geist und Natur, ein Bild, das sich oft mit dem des Baumes
als Sinnbild des inneren Werdens verbindet.
Die Schlange steht aber auch für die Lebensenergie und stellt damit eine
Verbindung zur Heilkunst her. Das Symbol der Schlange, die ein heilendes
Kraut bringt, ist schon in der altgriechischen Sage bekannt.

Schlüssel
sind Instrumente der Macht, weil sie ihrem Besitzer ermöglichen zu
verschliessen, wie auch Zugang zu erlangen. Sie sind ein Mittel,
Unbekanntes zu erschliessen. Schlüssel eröffnen das Geheimnis, zum
Beispiel der Code-Schlüssel eine verschlüsselte Botschaft, der
Tresorschlüssel einen Schatz. Im Märchen kann es auch eine Ratte sein,
die im Sumpfe wohnt und einen Schlüsselbund am Schwanze trägt. Sie
erschliesst nämlich die Geheimnisse des Unbewussten.
Seine
Grösse,
das weisse Gefieder und seine grazilen Bewegungen heben den Schwan hervor.
Im Hinduismus ist hansa, was Schwan heisst, das Tier des Schöpfergottes
Brahma, Symbol göttlicher Reinheit und Mantra zugleich. Die Göttin
Parvati, die sich nach dem Schwan sehnt, bedeutet den melancholischen
Aspekt und die Schmerzen der Sehnsucht, die im Schwanensymbol
mitschwingen. Der Schwan ist Geleiter bei der Himmelsfahrt und Symbol der
Entrückung. Er verkörpert gewissermassen die Sehnsucht nach
Lebenserneuerung
Die
Sechs ist seit alter Zeit die Zahl der hochzeitlichen Vereinigung und der
„Seelenerzeugung“. Die Sechszahl nämlich ist die zum Zeugen
geschickteste, weshalb die Alten sie auch Ehe und Harmonie nannten. Denn
sie ist unter denen nach der Einzahl die einzig vollkommene. Und sie sagen
einfach, dass sie sowohl männlich wie weiblich sei, wie auch selbst die
Aphrodite von männlicher wie weiblicher Art ist.
Die
Sieben ist die Verbindung der göttlichen Drei mit der irdischen Vier. Es
gibt unter anderem sieben Schöpfungstage und die Verbindung der Sieben
mit den Planeten und Metallen. In der fernöstlichen Gesundheitslehre
werden sieben Energiezentren im
Körper beschrieben, entsprechend den sieben Leuchtern bzw. dem
siebenarmigen Leuchter der christlichen Religion. Die Siebenzahl ist oft
mit der Seele verbunden. So ist sie die heilige Zahl...Ausserdem
bedeutet die Sieben Stufenfolge, Entwicklung und Wandlung in Richtung zur
Acht als der Erfüllung und Ganzheit.
Alles
Leben auf der Erde ist von der Sonne abhängig. Sie ist der Urgrund des
physischen Lebens, wie die Allseele oder Gott Urgrund des spirituellen
Lebens ist.
Ihrer vitalen Bedeutung wegen war der Lauf der Sonne früh Gegenstand von
Betrachtung und Verehrung. Könige nutzten sie als Zeichen ihrer Macht. So
ist die Sonne Sinnbild des Lichts und des männlichen Geistes, des
ordnenden Verstandes geworden, während der Mond als reflektierende
Lichtquelle der Nacht Symbol des Unbewussten und der Seelentiefe ist. Die
Rose, die Sonne, der Mond sind aber auch allgemeine Schönheitssymbole.
Spiegel
sind wie Fenster in eine andere Welt, die nicht wirklich ist. Täuschung,
wie Entlarvung sind die widerstrebenden Pole dieses Zauberdings. Es ist
ein Instrument der Bewusstwerdung, denn erst durch die Verdoppelung alles
Seienden, eine Gegenüberstellung zweier Pole, wird dieses für das
menschliche Bewusstsein erkennbar. So sieht der Mensch im mythischen
Zauberspiegel oft nicht einfach sein Abbild, sondern sein Gegenbild,
seinen Schatten. .Oft sitzt im Spiegel angeblich ein Männchen, das die
Wahrheit sagt, als Symbol des eigenen Gewissens. Der Spiegel zeigt das
wahre Gesicht. Dies ist die erste Mutprobe auf dem inneren Weg, eine
Probe, die genügt, um die meisten abzuschrecken.
Spiegel, Auge, Seele und Schatten sind verwandt. Über den Schatten geht
das Spiegelbild insofern hinaus, als es noch genauer mit dem Menschen übereinstimmt.
Bemächtigt man sich des Spiegelbildes eines Menschen, so hat man nach dem
Aberglauben Gewalt über dessen Leben und Tod. Daher kommt es, dass dem
Spiegel auf der ganzen Welt zu allen Zeiten besondere Kräfte
zugeschrieben wurden. Der Spiegel sagt alles seitenverkehrt, das legt dem
naiven Betrachter die Vermutung nahe, hier könne es nicht mit rechten
Dingen zugehen. Der Beschauer sieht im Spiegel, was hinter ihm ist, der
Spiegel scheint also mehr zu sehen, als er selbst sehen kann, ein Gedanke,
der zu den mannigfachen Formen des Fernsehens und der Prophezeiung mit
Hilfe des Spiegels fortgesponnen wurde. Der Spiegel zeigt vor allem dem
Beschauer sein eigenes Bild ... das Spiegelbild ist nämlich gleich dem
Bilde und dem Schatten ein Stück erweitertes Selbst.
Der Spiegel, der den Dialog mit dem eigenen Abbild, dem alter ego, ermöglicht,
ist Instrument der Selbsterkenntnis. Das Unbewusste und die in ihm
wirkenden Manifestationen des Selbst sind der unerbittlichste
Wahrheitsspiegel im Menschen, die leise, aber nicht zum Schweigen zu
bringende innere Stimme, welche alles Unrechte unerbittlich anprangert und
der Vernichtung zuführt.
Ganz praktisch interpretiert dient der Zauberspiegel des Mittelalters überhaupt
zur Offenbarung des Verborgenen: er weist verborgene Schätze, er macht
entfernte Personen, Plätze und Vorgänge sichtbar. Er gehört deshalb
auch zum unerlässlichen Handwerkszeug der Zauberer.
Der
Ring, das Spinnrad und die Haspel sind ebenfalls Symbole des Selbst, im
besonderen der Frau. Das Spinnrad, mit dem der Faden gesponnen wird, ist
ein Bild der Schicksalsverwirklichung, die vom Persönlichkeitskern
ausgeht.
Die
dunkle Seite, der Schatten der Mutter. ln der ödipalen Phase des Mädchens
wird die Mutter in zwei Gestalten geteilt, in die gute Mutter der vor-ödipalen
Zeit und die böse Stiefmutter der ödipalen Zeit. Als bedrohliche Figur
besteht eine gewisse Verwandtschaft zwischen der Stiefmutter und der Hexe,
der Zauberin oder der Riesin.
Während
der Schwan als Seelengeleittier mehr die lichte Seite betont, lebt im
Storch ein verwandtes Sinnbild mit mehr irdischer Tendenz. Er ist ahd. der
adebar, das heisst Bringer und Träger des Lebens, das er aus dem Sumpf,
dem Wasser bzw. dem Frau-Holle-Brunnen holt.
Der
Sumpf ist ein Ort der grossen Fruchtbarkeit, weil sich hier Wasser und
Erde wie bei der Urzeugung mischen. Storch und Frosch haben ihren Wohnsitz
im Sumpf. Er ist der Schoss der grossen Mutter, der gebiert und
verschlingt. Das männliche, ordnende Prinzip hat hier keinen Platz.
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