Symbole

 

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von A-Z - die Sprache der Märchen:

 

Symbole in Märchen sind vieldeutig. Märchenmotive, die uns ansprechen, werden zu Symbolen für einen psychischen Zustand von uns selbst, den wir anders (mit Worten) vielleicht nicht fassen können. Mit dem Schweinejungen und der Prinzessin meint das Märchen Menschen überhaupt. Mit Krankheit meint es Leiden schlechthin. Mit der Errettung vor dem Tod durch den Drachen meint es Befreiung der Menschenseele aus Macht und Ohnmacht. Mit der Prinzessin meint es vielleicht das Reine, Gute, Erlösungsbedürftige.
Mit dem Prinzen meint es aktive, geistige Kräfte.

Adler

Alter Mann

Apfel

Aufgaben

Berg

Birne

Blindheit

Dummeling

Einhorn

Esel

Eule

Feuer

Frosch

Fuchs

Gefäss

Gold

Haare

Held

Hexe

Hochzeit

Kobolde

Kristall

Kröte

Kuss

Lilie

Lindwurm

Meer

Mühle

Muschel

Perle

Quelle

Rabe

Rätsel

Riesen

Schatz

Schlaf

Schlange

Schlüssel

Schwan

Sonne

Spiegel

Spinnrad

Stiefmutter

Storch

Sumpf

Zahl 6

Zahl 7


Adler

Der Adler ist ein vielschichtiges Symbol. Zunächst ist er Sinnbild alles Edlen, Lichten. Der höchste Wert und innerste Kern der menschlichen Seele ... Er sitzt auf dem obersten Zweig des Weltenbaumes, Yggdrasil und ist deshalb Bote der Götter.
Im Märchen spielt er eine wichtige Rolle, die Zwerge müssen ihn fürchten ... Ein Adlernest vom Felsen zu holen, gilt als eine der schwersten Aufgaben, die der Teufel dem Helden stellt ... Hexen und Zauberer verwandeln sich in Adler ... Er kennt auch den Lebenswasserquell.
Vögel, für die es keine Grenzen gibt, stehen allgemein für Freiheit und sind Sinnbild der Seele. Wegen seiner grossen Kraft ist der Adler im Märchen oft Träger und Wegleiter des Helden bei seiner Fahrt ins Unbewusste.
Der Adler ist als kühner Höhenvogel Sinnbild unbezähmbarer Sehnsucht nach den höchsten Lichtträumen. Als goldener Vogel ist er eines der ältesten indo-europäischen Symbole der kosmischen Ordnungsmacht. Mythologisch ist der Adler mit dem Vogel Phönix verwandt und deshalb auch ein Symbol der Selbsterneuerung. Mit einem Löwenrumpf ist er der Vogel. Er weiss um alle Rätselhaftigkeit des Daseins, er frisst jedoch alle, die sich ihm nähern, denn dem Sterblichen gebührt es nicht, in das höchste Wissen einzudringen.
Die Gegensätzlichkeit von Adler und Schlange, als die von Geist und Körper taucht in vielen Mythen auf und wird durch die Vereinigung der Gegensätze als gefiederte Schlange zum spirituellen Symbol.

Alter Mann

Der alte Mann tritt im Märchen in verschiedenen Formen auf, als Greis, als Weiser, als Zwerg, als Zauberer etc. Nach Jung symbolisiert er den Geist, das väterliche Prinzip. Der alte Mann erscheint immer dann, wenn der Held sich in einer aussichtslosen oder verzweifelten Situation befindet, aus der ihn nur gründliche Überlegung oder ein glücklicher Einfall befreien kann. Die Figur ist zwiespältig, einmal gross, das andere Mal klein, dem Geistigen verbunden, aber zum Beispiel als Zwerg auch den Kräften der Natur, der Vegetation und der Unterwelt. Wie alle Archetypen einen positiven, günstigen, hellen, nach oben weisenden Charakter haben, so auch einen nach unten weisenden, teils negativen und ungünstigen, teils bloss chthonischen, aber im weiteren neutralen Aspekt. Davon macht der Archetypus des Geistes keine Ausnahme.

Apfel

Der Apfel ist nahrhaft und gesund und deshalb ein wesentlicher Bestandteil natürlicher Ernährung. Seit der Steinzeit ist er in Nordeuropa heimisch und taucht auch in vielen Mythen auf. Freyr zum Beispiel wirbt in der Edda mit goldenen Äpfeln um Gerd.
Die goldenen Äpfel erinnern an die Äpfel der Hesperiden. Die Mutter Erde Gaia hatte Hera zur heiligen Hochzeit mit Zeus einen Apfelbaum mit goldenen Äpfeln geschenkt. Diese goldenen Äpfel sichern den Göttern die ewige Jugend. Durch seine runde Form ist der Apfel ein weibliches Symbol. Eva verführt Adam mit einem Apfel vom Baum der Erkenntnis. So ist der Apfel im Zusammenhang mit Liebe und Fruchtbarkeit ein Symbol der Unsterblichkeit, gleichzeitig aber auch eine Frucht der Wahrheit und Erkenntnis. Newton fiel ein Apfel auf den Kopf, als er die Gravitation entdeckte. Weil das Bild des Apfels mit der Idee der Erleuchtung verbunden ist, wird der Apfel bisweilen auch mit der Sonne identifiziert. Zugleich ist er ein Liebessymbol und das Zuwerfen eines Apfels ein Liebeszeichen. So ist er ein Sinnbild der Fruchtbarkeit. Als kugelförmige Frucht ist der Apfel ein Symbol der Einswerdung aller Gegensätze und der Gottähnlichkeit.
Im Märchen verleiht der Genuss eines Apfels Fruchtbarkeit, oft direkt Schwangerschaft. Ausserdem heilen die Äpfel im Märchen Krankheiten bzw. wecken Tote zum Leben. Umgekehrt treffen wir auch Äpfel des Schlafes und des Todes.
In vielen Mythen und Märchen symbolisiert der Apfel Liebe und Sexualität in ihren wohltätigen wie in ihren gefährlichen Aspekten.

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Aufgaben

Der Held des Märchens hat Aufgaben zu erfüllen, gewöhnlich sind es drei, bevor er sein Ziel erreicht und die seltene Kostbarkeit erlangt, oft ist das das „halbe Königreich“ und die Hand der Prinzessin. Erst nachdem der Dummling die volle Persönlichkeitsintegration - symbolisch ausgedrückt durch die Erfüllung der drei Aufgaben - errungen hat, wird er Meister seines Geschicks.
In vielen Märchen erscheinen die drei Aufgaben als unlösbar. Der Held hat jedoch zuvor auf seiner Suchwanderung ungewöhnliche Begegnungen gehabt - oft mit Tieren-, bei denen seine moralischen Qualitäten wie zum Beispiel Hilfsbereitschaft, Mitleid, Ehrfurcht vor dem Leben und andere, geprüft wurden. Aus diesen Prüfungen geht magische Unterstützung hervor, mit deren Hilfe er die unlösbaren Aufgaben bewältigen kann. In manchen Märchen sind es aber auch allein die Schlauheit und das Geschick des Helden, die es ihm ermöglichen, die Aufgaben zu erfüllen.
Unlösbare Aufgaben treten aber auch in einem anderen Zusammenhang auf. Den Teufel schafft man sich durch unmögliche Aufgaben vom Halse. Er muss ein krauses Haar strecken, einen Bauchwind fangen, einen Strick aus Sand drehen, ein leckes Schiff auspumpen, Frösche auf die Bäume setzen, die Wagenachse tragen, als ein Rad gebrochen ist, Wasser im Sieb holen und andere Das zeigt auch, dass der Dummling, der die ihm gestellten unlösbaren Aufgaben mit höherer Hilfe lösen kann, dem Teufel überlegen ist.

Berg

Die Vorstellung des Ewigen und Unverrückbaren umweht den Berg. Er ist Sitz der Ahnen und auf dem heiligen Berg haben die Götter ihre Wohnstatt. Im Berge wohnt immer der Alte, der Urvater, wie Barbarossa im Kyffhäuser, wie Rübezahl im Riesengebirge, wie die indischen Götter auf dem Himalaja oder die griechischen Götter auf dem Olymp. Der Weltenberg ist die männliche Entsprechung zum weiblichen Weltenmeer.
Das Gebirge mit seinen Dunkelheiten und Gefahren [ist ein] magischer Bezirk. Im Märchen ist der Berg Aufenthaltsort eines Ungeheuers. Im hohlen Berg wohnen Räuber, Zwerge, die hier ihre Schätze verwahren. Die Wände bestehen aus Gold und Edelgestein. Ein echter Märchenberg ist der Glasberg. Nur mit besonderen Zaubermitteln ist er zu besteigen. Das Kostbarste und Wunderbarste ist auf oder im Berg zu finden.
Der Held muss den Berg besteigen, was oft dadurch erschwert wird, dass der Berg aus Glas und deshalb glatt ist. Dieser Aufstieg, der mit Anstrengung verbunden ist, bedeutet eine seelische Weitung, eine Bewusstseinserweiterung, die das Erreichen des Gipfels vermittelt. So symbolisiert der Berg das zu erreichende Ziel im Unbewussten.

Birne

Unter den unsterblich machenden Früchten ist der Apfel oftmals ein Symbol des Eros und der Fruchtbarkeit: er galt als weiblich, die Birne als vorwiegend männliches Symbol.

Blindheit

Wer blind ist, sieht die Realität nicht, er ist hilflos und abhängig. Deshalb weist Blindheit auf die Notwendigkeit der Erlösung hin. Im Blindekuh-Spiel ist diese Idee umgesetzt.
Der Verlust des Augenlichts bedeutet aber auch eine Hinwendung nach innen, auf die inneren Werte. Seher galten für die äussere Welt blind, weil sie mittels Innenschau durch die Dinge hindurchsahen, also weiter sahen.

Dummling

Der Dummling kommt in vielen Märchen als solcher vor. Dummling ist aber nicht eine bestimmte Person, sondern eine typische Rolle im Märchen, die durch eine Figur beiderlei Geschlechts besetzt sein kann, die nicht ausdrücklich Dummling genannt, aber so behandelt wird.
Dummling meint das Kind, das gerade beginnt, seine Rolle in der Gemeinschaft zu erleben. Es ist unerfahren mit den Gegenständen des täglichen Gebrauchs, unerfahren aber auch mit den menschlichen Verstrickungen. In seiner Unbeholfenheit wird das Kind zusätzlich zurückgesetzt, wenn ihm von Älteren immer wieder vorgehalten wird, dass es zu allem zu dumm sei, zu nichts tauge und aus ihm auch nie etwas werde.
Aus dieser Situation bricht der Dummling im Märchen aus. Ob freiwillig oder notgedrungen, verlässt er die beengende Geborgenheit und zieht in die weite Welt, was der Suche nach Selbstfindung entspricht.
Die Seelenlandschaft, die das Kind in dieser Phase betritt, ist verwirrend vielfältig, aber noch nicht entfaltet. Im Märchen wird sie oft durch den Wald symbolisiert, durch den der Dummling seinen Lebensweg finden muss. Dumm sein bedeutet einen undifferenzierten Existenzzustand, der den Kämpfen zwischen Es, Ich und Über-Ich in der vielschichtig gewordenen Persönlichkeit vorangeht.
Der Dummling symbolisiert somit den Schritt in die Autonomie. Die dabei lauernden Gefahren sind seelischer Natur. Im Märchen werden sie durch die drei Aufgaben dargestellt, die der Dummling gewöhnlich zu lösen hat. Erst nachdem der Dummling die volle Persönlichkeitsintegration - symbolisch ausgedrückt durch die Erfüllung der drei Aufgaben - errungen hat, wird er Meister seines Geschicks.
Die Suchwanderung des Dummlings wird durch eine häusliche Situation ausgelöst. Sie beginnt meist mit Prüfungen, zum Beispiel auf Mitleid, Hilfsbereitschaft, Mut etc.. deren Bedeutung aber zunächst unklar bleibt. Später, wenn der Dummling vor scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt wird, kommen ihm die Elemente aus den Prüfungen zu Hilfe. Hat er zum Beispiel einem Fisch das Leben gerettet, kann der später vielleicht für ihn in einen tiefen Brunnen hinabtauchen, um einen Schlüssel heraufzuholen. Durch solche verdiente Hilfe kann der Dummling die Aufgabe(n) lösen, kann erreichen, was noch keiner vor ihm geschafft hat.
So gewinnt der Dummling die volle Reife, was gewöhnlich dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass er das halbe Königreich und die Prinzessin dazu bekommt, also sein weltliches Erbe übernimmt und in himmlischer Hinsicht vollständig wird. Seine Suchwanderung ist vollendet.

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Einhorn

Das Einhorn ist oft dargestellt worden als weisses Pferd mit einem Horn. Einer alten Legende gemäss soll es sich mit einer Hetäre in der heiligen Hochzeitsnacht verbinden, damit Regen entsteht und somit Fruchtbarkeit. Nach einer anderen Legende muss das Einhorn im Schoss einer Jungfrau gezähmt werden, und aus diesem Zähmen erfolgt die Zeugung und Geburt des göttlichen Kindes. Mit diesem einen Horn ist eine unbändige Kraft verbunden, und zwar kann diese Stosskraft sowohl sexueller als auch spiritueller Natur sein. Dieses Horn wiederum ist die Essenz des Stärke, Gesundheit und Leben bedeutenden Einhorns. Es symbolisiert die ungebändigte männliche Kraft. Es steht für jene Entwicklungsstufe, in welcher junge. postpubertäre Männer ihre Kraft ungehemmt ausleben. Das gezähmte Einhorn steht dann für jene Lebensstufe, in welcher die Kraft ein Ziel erhält und schöpferisch wirkt. ... Abbildungen, welche zeigen, wie ein Einhorn seinen Kopf in den Schoss einer jungen Frau legt. Die Frau „zähmt“ die Kraft des Mannes und gibt ihr Ziel und Sinn.

Esel

Bei den Griechen galt der Esel als Symbol des bösen Prinzips. Er ist das „schlechte Pferd“, störrisch, dumm und faul. Auf dem Esel statt auf dem stolzen Pferd zu reiten, bedeutet deshalb nicht nur Demut oder Demütigung, sondern auch die Beherrschung der niederen Kräfte.
In Indien Lind in der antiken Welt galt der Esel als Symbol der Geilheit. ... Das Einhorn steht in einer merkwürdig nahen Beziehung zum Esel und wurde sogar öfters als einhörniger Esel aufgefasst. In der christlichen Symbolik wandelt sich der Esel zum Symbol der Demut. Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein.

Eule

Eule und schwarzer Rabe gehören einerseits zur Nacht- und Dunkelseite des Lebens, andererseits sind sie auch Vögel der Weisheit. Wissen aber erwirbt nur derjenige, der auch zutiefst die dunkle Seite des Menschlichen erfahren hat.
Die Eule gilt als Vogel der Athena. Athena ist die Göttin der Weisheit, des Krieges, des Kämpfertums, des Handwerks. Die Eule ist Symbol der nächtlichen Weisheit, im Sinne des Seherischen und der Ahnungen.
Im Volksmund wird die Eule auch Leichenhuhn genannt. Dann ist sie ein dämonisches Gespenstertier, ein Hexenvogel, zum Beispiel in Jorinde und Joringel

Feuer

Im Element Feuer wird die Energie besonders direkt erfahren. Feuer wärmt und beschützt, aber es verbrennt und vernichtet auch. Durch die Beherrschung des Feuers vollzieht der Mensch einen bedeutenden Schritt fort vorn Tier hin zum Göttlichen. Das irdische Feuer steht in direkter Verbindung zum himmlischen Feuer der Sonne.
Das Feuer, gebändigt im Herd und gehütet von der Frau, wird zum Mittelpunkt des Hauses und der Kultur an sich. Bei Geburts- und Hochzeitszeremonien wurde das Feuer umschritten. Damit ist auch die Idee vom Läuterungsprozess im Feuer, der Reinigung verbunden, denn das Feuer hinterlässt nur Asche, die steril ist und nicht weiter vernichtet werden kann.
Feuer ist ausserdem das Element, durch welches die Wandlung stattfindet, und als solches ein Symbol des Bewusstseins. Auch ist das verborgene innere Feuer ein Symbol der Leidenschaft.
Im Feuer haben wir ein umfassendes Symbol des physischen Lebens. Darum reden wir auch von einem „feurigen“ Menschen, von der „Flamme“ der Begeisterung und „Erleuchtung“ und „Läuterung“ einer Idee.

Frosch

Weil er im Tümpel und Sumpf lebt, hat der Frosch eine starke Beziehung zum Ursumpf und seinen Geheimnissen. Er ist deshalb ein Tier der Hexe. Gleich dem Sumpf ist der Frosch, wie auch die Kröte, ein Symbol der Fruchtbarkeit der Natur.
Kröte und Frosch sind die Tiere des Wassers und des Landes, sie sind also Tiere des Übergangs, sind, wegen der vielen Wandlungsstufen, die sie durchmachen, auch Symbol für die Wandlung. Im Frosch verkörpert sich der um alle Abgründe und Zukünfte wissende Brunnengeist, Urgott der Wassertiefe, wie der Mimir der Edda, der froschköpfige Mam der Azteken, der froschköpfigen göttlichen Geburtshelferin Heket der Ägypter. Auf der tiefsten Ebene symbolisieren die Frösche daher unser frühestes Leben; auf einer etwas zugänglicheren Ebene repräsentieren sie unsere Fähigkeit, von einer niedrigen auf eine höhere Lebensstufe zu gelangen.

Fuchs

Schnell, gewandt und pfiffig zeigt sich der Fuchs im Märchen, am Rande der gängigen Moral, aber unerschütterlich hilfsbereit. Er tritt wie der Bär oft als hilfreiches Wesen auf, weil er aber keine grossen Körperkräfte besitzt, geht er mehr mit List, Verschlagenheit und Schläue vor. Die rote Farbe seines Felles bringt ihn in Verbindung mit dem Teufel, zeigt, dass er auch etwas Dämonisches an sich hat. In der keltischen Tradition ist der Fuchs ein Seelenbegleiter, er hat die Qualitäten des griechischen Gottes Hermes der Tore und Türen hütet und öffnet, ein Gott der Übergänge und Aufbrüche, Beschützer der Wanderer und Grenzgänger.

Gefäss

Die Amphore, der Krug oder Becher sind Instrumente des Bewahrens und Verbergens, dadurch aber auch Metaphern der geheimen Fülle und des Überflusses. Gefässe sind Symbole für die menschlichen Möglichkeiten des Empfangens, Bewahrens, aber auch des Wandelns und Nährens. Durch seine höhlenartige Form ist das Gefäss, ein Gleichnis für das aufnehmend-weibliche Wesen. Ein Symbol des Mutterschosses. In einigen Märchen weisen Becher und Gefäss darauf hin, dass das Mädchen Frau geworden ist.

Gold

Seine besonderen Eigenschaften und das seltene Vorkommen machen Gold zum Edelsten aller Stoffe und ordnen es an die Spitze des Grobstofflichen, als Übergang zum Feinstofflichen. Mit Gold verbinden wir die Vorstellung von etwas Ewigem, Strahlenden, wir bringen es mit dem Licht der Sonne in Verbindung, das dem Leben seine Farbigkeit zu geben vermag. Das Leuchten des Goldes hat seine Entsprechung im Leuchten der Sonne. Im Gold kann das Hereinholen des Kosmischen ins Erdenleben ausgedrückt sein, das Hereinholen der Transzendenz ins Alltägliche. Gold ist relativ unzerstörbar, hat dadurch auch den Aspekt von Dauer und Ewigkeit.
Gold bedeutet den höchsten Wert, es ist das königliche Metall und kennzeichnet immer das Besondere, Herausragende. Es weist über das Weltliche und Alltägliche hinaus und ist deshalb ein Sinnbild für das Selbst, das höchste Bewusstsein, den göttlichen Geist. Es ist auch Symbol des Licht- und Sonnengottes und als solches männlich im Gegensatz zum weiblichen Silber. Gold und Silber sind wie Sonne und Mond symbolische Urgegensatzpaare.

Gelb wird oft mit Gold gleichgesetzt, das ja von gelber Farbe ist und nur durch den Oberflächenglanz erhöht wird. Der Grund für diesen Ersatz war früher eher praktischer Natur, weil gelbe Farbe leichter verfügbar war.
Gelb ist die lichteste Farbe und wird mit der Sonne und dem Licht des Geistes und dem Intellekt in Verbindung gebracht. Es wirkt leicht und schwerelos und bedeutet psychologisch die Erlösung von Schwerem, Bedrückendem oder Hemmendem.

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Haare

Das Kopfhaar ist sichtbares Produkt der körperlichen Schöpfungskraft und steht als solches analog zur sexuellen Kraft. Besonders bei der Frau ist das Haar ein erotisches Attribut und verleiht ihr in Sage und Märchen die Gabe, wann immer sie wollte, die Männer mit ihren Haaren zu behexen, zu binden, zu fesseln, zu knoten, zu ketten und zu umgarnen... Hier erscheint die Zauberin unzweideutig mit den erotischen Konnotationen, die man im Volksglauben den jungen und schönen Hexen mit ihren Sukkubus-Qualitäten im allgemeinen und dem Liebeszauber ihrer Haare im besonderen zuschrieb. Bei sexueller Obsession kann Haar zu einem Fetisch werden. Als Zeichen der Lossagung - auch von irdischen Bindungen - wird das Haar von Nonnen und Mönchen geopfert.
Haare, die das ganze Wesen enthalten, gelten als der Sitz der geheimen Lebenskraft. Das lange Haar war deshalb ein Zeichen des adeligen, freien Menschen und des Priesterstandes, während Sklaven, Soldaten und Gefangenen das Haar geschoren wird. Bei dem Mann bedeutet das Haaropfer eine Art stellvertretende Entmannung,, denn Haare zeugen auch von Kraft, von ungebändigter Kraft, im körperlichen, aber auch im erotischen Sinne, also von einer ungeheuren Energie.
Schmuck aus den eigenen Haaren geflochten gilt als Versprechen lebenslanger Verbundenheit. Der Besitz von Haaren stellt eine Beziehung zur Lebensenergie der betreffenden Person her, was die als Liebesbeweis abgeschnittene Locke zeigt. Der Besitz der Haare des Teufels verschafft dem Helden eine gewisse Macht über dessen Wirken.

Weil das Haar aus dem Kopf spriesst, steht es auch in Beziehung zu den Gedanken, die ebenfalls vom Kopf hervorgebracht werden: Das Kopfhaar ist in Märchen, Traum und Mythos ein beliebtes Symbol für die Kraft der Gedanken, Vorstellungen und Phantasien, die genau wie das Haar aus dem Haupte hervorspriessen.

Held

Im Märchen ist der Protagonist, der Held, oft das jüngste Kind, der Dummling.

Hexe

Eine der Hauptfiguren des Märchenreichs ist die Hexe, die tief im Zauberwald verborgen lebt. Sie ist eine archetypische Mutterfigur, das alte Weib, die Grosse Göttin oder Grosse Mutter, die ein geheimes Wissen über die Natur, besonders die Kräuter, besitzt, zauberwirksame Rezepturen kennt und damit Menschen und Tiere beherrscht. Sie kennt grausliche Sprüche und Flüche und ist auch eine Wetterhexe.
Neben Katze und Kröte ist der Kessel ein wichtiges Insignium. Aus diesem Kessel gehen ihre Schöpfungen hervor und in diesen Kessel werden sie alle irgendwann wieder eingerührt. So ist in der Hexe auch der Todesaspekt der Mutter Natur ausgedrückt, die mit ihrer furchtbaren Seite ihre eigenen Geburten wieder zerstört und in sich zurücknimmt.
Die Hexe wirkt bedrohlich und ihre Aufgabe ist oft, den Helden zu prüfen. Nur durch diese Prüfung aber kann er gestärkt hervortreten und den Weg aus dem Zauberwald finden. Hexen sind ja nicht einfach destruktiv: je nachdem wie man sich ihnen nähert, können sie hilfreich oder auch zerstörerisch sein. Das ist die eigentliche, in der Hexe symbolisierte „grosse Mutter Natur“, die dem, der lernend und sich bemühend mit ihr arbeitet, ihre Gaben und Fähigkeiten zur Verfügung stellt.

Psychologisch ist das, was im Märchen Hexe heisst, ein tiefer instinktiver Impuls, ein bequemes, sattes, warmes Nest dem Kampf um die Welt vorzuziehen. Damit korrespondiert die Hexe als dämonische Mutterfigur, die den Hunger der Kinder dazu benutzt, um sie für höchst egoistische Zwecke auszunutzen. Allgemein steht die Hexe für die magische, böse und negative Seite des Unbewussten, sie ist die Schöpfung unserer Wünsche und Ängste. Die Hexe symbolisiert die Tiefenkräfte der Seele, die dunkle Seite im Menschen, die uns oft fasziniert. Wer ihnen nachgibt. verliert häufig seine bisherige Gestalt und Würde. Die Hexe ist auch die Schattenseite der Mutter, sie verlangt, dass die Seele sich von ihr frei mache, und wird so zu einer wesentlichen Figur im Individuationsprozess des Menschen.

Hochzeit

Der krönende Abschluss vieler Märchen ist die Hochzeit. Beschreibt das Märchen die Suchwanderung des Kindes durch die verwirrende Welt, so sind das Ziel dieser Suche die Integration und das Ende der Kindheit, das mit der Hochzeit, dem Beginn einer neuen Generation, besiegelt ist. Die Hochzeit zwischen dem Helden und der Prinzessin als ersehnte Vereinigung der Gegensätze meint im Märchen aber niemals nur, dass da eine Norm erfüllt wer
den soll, sondern es ist die glückhafte Vereinigung damit ausgedrückt, die notwendig ist, damit das Leben weitergehen kann.
Psychologisch symbolisiert die bleibende Verbindung eines Königssohns mit einer Königstochter die Integration der verschiedenen Persönlichkeitsaspekte des Es, des Ich und des Über-Ich und die gelungene Harmonisierung der bislang auseinanderstrebenden Tendenzen des männlichen und weiblichen Prinzips. Auf metaphysischer Ebene klingt die mystische Hochzeit an, welche eine Vereinigung von Bewusstem und Unbewusstem darstellt.

Kobolde

Kobolde sind mit den Zwergen verwandt, jedoch nicht so irdisch-materiell eingestellt wie sie, sondern mehr luftig-geistig. Gewöhnlich sind sie dem Menschen hilfreich und verlangen keinen Lohn, dafür erlauben sie sich aber auch gerne manchen Schabernack. Undank und Kränkung empfinden sie als Treulosigkeit. Dann können sie in ihrer Rache sehr phantasievoll sein.
Psychologisch betrachtet, berühren Kobolde eine Schicht des Unbewussten, die uns schwer zugänglich ist und die wir oft fürchten.

Kristall

Symbol des Selbst, der gesuchten Kostbarkeit, des Steins der Weisen.

Kröte

In der Kröte spiegelt sich die Ambivalenz, die auch den Archetyp der Hexe auszeichnet. Einerseits ist sie ein Symbol der Fruchtbarkeit und wird auch mit dem Uterus in Verbindung gebracht, andererseits verkörpert sie mit ihren Giftwarzen und dem alles verschlingenden Maul das Tödliche. Die Kröte gilt deshalb als ein Tier der Erdmutter, ist aber auch ein Orakeltier. Von daher besteht die nahe Verbindung zu den Hexen.

Kuss

Mit dem ersten Atemzug beginnt das Leben und mit dem letzten endet es. Im Atem wird deshalb die Lebenskraft gedacht und durch den Mund fährt diese Lebenskraft ein und aus. Deshalb symbolisiert die Geste des Küssens das Spenden dieser Lebenskraft. Wenn jemandem auf die Stirn geküsst wird, ist das wie das Auflegen der Hände auf den Scheitel ein Ausdruck des Segnens. Wenn wir jemandem die Hand küssen, legen wir unsere Lebenskraft bildlich in seine Hände. Beim Kuss auf den Mund wird die Lebensenergie direkt eingehaucht und der oder die Empfangende wachgeküsst, ins Leben zurückgeküsst. Im Begriff des Freiküssens drückt sich der erlösende Aspekt des Kusses aus. Die Entzauberung geschieht bisweilen durch Kuss.
Zwischen Mann und Frau ist der Kuss ein wechselseitiger Vorgang, bei dem die Lebensenergie ausgetauscht bzw. vereint wird. Die Analogie von Lippen und Zunge zu den Geschlechtsorganen vertieft diesen Vorgang in die erotische Dimension.

Lilie

Sie ist die abendländische Entsprechung zum Lotus, Sinnbild der Reinheit der Seele. Als Sumpfpflanze entspringt sie dem morastigen Urgrund, wächst dem göttlichen Licht entgegen und öffnet ihm die Zartheit ihrer Blüte. Sie ist damit Symbol der Wandlung und Transformation. In dieser Bedeutung wird sie auch als Grabblume verwendet.

Lindwurm

Der Lindwurm oder die Schlange stellt die unbewussteren physischen Reaktionen der Psyche dar.
Meer

Das Meer birgt Schätze und Gefahren. In seinen unergründlichen Tiefen leben geheimnisvolle Wesen. Es bietet Nahrung und scheint darin unerschöpflich. Man muss sich nur „an Land ziehen“, was man braucht. Das Meer zieht den Menschen aber auch in „sein feuchtes Grab“. So ist es ähnlich wie die Hexe gebärend und verschlingend ein Bild für die grosse Mutter Natur.
Das Meer ist zudem Sinnbild der unbekannten Ferne, des Abenteuers, das die Lebensreise ausmacht. Seine spiegelnde Oberfläche ruft die Vorstellung einer „anderen“ Welt hinter der Oberfläche hervor. So ist das Meer auch ein Gleichnis für die Seele mit ihrer unbewegten absoluten Tiefe und der von den Gezeiten des Lebens aufgewühlten Oberfläche. Das Meer ist ein Bild für die ununterscheidbare, lebendige Ureinheit des Seelischen, des unbewussten, d.h. unerkennbaren Lebensgrundes, der vor jeglicher Einzelerscheinung war.

Mühle

Das stetige Drehen der Mühlsteine bildet eine Analogie zum unaufhörlichen Drehen der Welt. Und so wie die Mühle die Getreidekörner zermahlt, um sie aufzuschliessen und dem Veredelungsprozess des Backens zuzuführen, so formt das Getriebe der Welt den Menschen und öffnet ihn für eine höhere Sicht. Daraus erlangte die Mühle eine sinnbildliche Bedeutung als Schicksalsmühle, mit der auch die Vorstellung des Mühsamen (Tretmühle) und des irdisch Schwerfälligen verbunden ist.
Der Müller ist der, der um das Schicksal weiss. In der Edda ist es der König Frodi, im Volksglauben der Germanen der Bauerngott Thor. Die Märchen haben Thor zum Teufel verkehrt, deshalb ist die Mühle oft ein verwunschener Ort, der Müller ein Zauberer oder Erzschurke, der mit dem Teufel im Bunde steht.
Nach dem Buch Hiob und dem Talmud deutet Mahlen entsprechend den beiden Mühlsteinen auch den Geschlechtsverkehr an. Darum gilt die Mühle auch als heimlicher Verlobungsort. Da die Mühle meist einsam lag und dazu noch am Wasser, galt sie auch als Ort des Unheimlichen, der Geister und Gespenster der anderen Welt.

Muschel

Sie ist morphologisch dem weiblichen Geschlecht verwandt und ihre Heimat ist das weibliche Meer. Deshalb steht die Muschel für Erotik und Fruchtbarkeit. Bis heute ist Muschel ein zärtliches Synonym für den weiblichen Schoss. Unzweifelhaft vertraut war den Griechen auch die Gleichsetzung der Seemuschel mit dem weiblichen Genital. In Indien wird die Hochzeitszeremonie dadurch angekündigt, dass man in eine grosse Muschel bläst. Die Perle, die eine Muschel in sich bergen kann, erweitert das Symbol in die geheimnisvolle Dimension der kostbaren Schöpfung.

Perle

Die Auster, die Seemuschel, die Schnecke und die Perle sind für die Lehre, dass die Welt aus dem Wasser entstehe, wie auch für die geschlechtliche Symbolik, gleichsam typenbildende Muster. Sie alle haben teil an den in Gewässern, im Mond und in der Frau konzentrierten heiligen Kräften, sie sind ferner, aus verschiedenen Gründen, Sinnbilder für diese Mächte: Ähnlichkeit zwischen der Seemuschel und den weiblichen Genitalien, Beziehungen, die Austern, Gewässer und Mond miteinander verbinden, zuletzt die gynäkologische und embryologische Symbolik der Perle, die sich in der Auster bildet. Die Perle, einst ein Symbol der zeugenden Kraft oder Sinnbild einer transzendenten Wirklichkeit, hat im Abendland bloss noch den Wert eines „Edelsteins“ bewahrt.
Die Perle entwickelt ihr mondgleiches Schimmern im geborgenen Dunkel der Muschel. Sie ist ein verborgener, grosser Schatz aus der Tiefe des Meeres. Deshalb gilt sie bei uns als grosse Kostbarkeit, als etwas Vollendetes. Bei den Mystikern ist sie das Symbol für die Erleuchtung, das Symbol für das Finden einer Einheit zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.

Bei den Griechen war die Perle das Sinnbild der Liebe und der Vermählung. Bei Clemens von Alexandrien ist sie der Logos, das heisst der Christus, der aus der Jungfrau geboren wurde. Sie ist ein kostbarer Schatz, das Himmelreich, das man sucht, das aber leicht verloren gehen kann, wenn man sich ablenken lässt.
Eine im Orient beheimatete Überlieferung erklärt die Geburt der Perle als Frucht der vom Blitz geschwängerten Miesmuschel: die Perle sei die Frucht der Vermählung des Wassers mit dem Feuer.

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Quelle

Die Quelle gilt von alters her als Symbol für den gebärenden Mutterschoss. Es ist der Ort, wo der überfliessende Reichtum der Erde frei gegeben wird. Die Quelle ist der Ort, wo sich der Schoss der Erde öffnet und das Leben, symbolisiert durch das Wasser, hervorbringt. Quellen gelten deshalb auch als Eingang zur Jenseitswelt. Wenn im Märchen eine Quelle vergiftet ist, dann weist das darauf hin, dass das Leben vergiftet ist. Als Symbol des strömenden Lebens ist die Quelle wesensverwandt mit dem Bild der Anima.

Rabe

Die beiden Raben Hugin und Munin -das heisst, Gedanke und Gedächtnis- fliegen jeden Morgen in die Welt hinaus, um sich danach rechts und links auf Odins Schulter zu setzen und ihm ins Ohr zu raunen, was sie in der Menschenwelt gesehen haben. Eule und schwarzer Rabe gehören einerseits zur Nacht- und Dunkelseite des Lebens, andererseits sind sie auch Vögel der Weisheit. Wissen aber erwirbt nur derjenige, der auch zutiefst die dunkle Seite des Menschlichen erfahren hat. Raben sind nicht nur Verwandlungsgestalten für die Seelen, die in den Bereich des Hel oder Odins geraten, sie sind auch vielwissend und zukunftsfreudig wie der Totenführer Odin selber, sie sind seine Boten, die von allem Gebannten wissen.
Der Rabe tritt als Sieges- und Todesbote auf. Sein glänzendes, schwarzes Gefieder betont den schicksalsschweren Aspekt. Als Verkünder des Unglücks wird er selbst zum Pechvogel oder Unglücksraben.

Rätsel

Rätsel sind im Märchen oft der Schlüssel zur Erlösung, zur Erlangung der seltenen Kostbarkeit oder zur Hochzeit mit der Prinzessin. Das Wort Rätsel ist eine Ableitung von dem Zeitwort „raten“. Neben der Grundbedeutung dieses Verbums „für etwas sorgen“ scheint sich früh eine andere entwickelt zu haben; denn als „raten“ bezeichnet man auch die Kundgebung einer Meinung oder eines Entschlusses auf Grund innerer Sammlung und Überlegung. Eine ernste Betätigung des Geistes, der sich um Auflösung dunkler Geheimnisse oder um den tieferen Sinn des Handgreiflichen bemüht. Das Rätsel steht für das Geheimnis der Schöpfung, dem sich der Mensch gegenüber sieht.
Ein weit verbreitetes Märchenmotiv sind die drei Rätsel, die dem Helden von einer Prinzessin gestellt werden. Löst er sie nicht, muss er sterben; löst er sie, gewinnt er die Prinzessin. Das Rätsel, das eine bestimmte Frau stellt, steht für das Rätsel des Weiblichen allgemein, und da die Heirat gewöhnlich auf die richtige Lösung folgt, ist zu vermuten, dass es sich um ein sexuelles Rätsel handelt; wer das Geheimnis des anderen Geschlechts versteht, ist zur Reife gelangt.

Riesen

Riesen gelten als Ureinwohner der Erde und stehen für die chaotische Gewalt der Elemente. Deshalb fürchten sie Thor oder Zeus, die Bringer und Hüter der Ordnung sind. Riesen haben gewaltige Kräfte, können Bäume entwurzeln und Felsbrocken schleudern. Sie werden in der Folklore allgemein gern als unbeherrscht und oft auch als dumm dargestellt. Sie verkörpern das Prinzip der rohen Gewalt und sind in diesem Sinn psychologisch unkontrollierte, halb bewusste, triebhafte Impulse. Der Riese ist ganz eindimensional: Wenn er einmal gespurt hat, läuft alles in einer Einbahnhandlung ab, deshalb ist sein Verhalten auch so berechenbar. so voraussehbar.
Erwachsene sind wie Riesen in den Augen des Kindes, Riesen, von denen der Mann ein Menschenfresser ist und dessen Frau durch Geschenke gewonnen werden muss. Bei mürrischen Riesinnen Herberge suchen und deren schmutzige Kost essen und sich sogar noch dafür bedanken, das ist das Los mancher Kinder im Märchen.

Schatz

Das Gleichnis für das hohe Ziel, dem alle Lebensmühe gilt, auf das sich alle Träume richten, ist der Schatz. Er ist tief in die Erde vergraben, auf den Meeresgrund versenkt oder sonst wie unerreichbar verborgen und wird von zumeist mächtigen oder listigen Gegnern bewacht, alles Personal, das der jenseitigen Welt angehört und darauf verweist, dass der wahre Schatz nicht materieller, sondern spiritueller Natur ist. Die Bezeichnung Schatz für den/die Geliebte/n ist Beleg dafür.
Der Zweck des Abstiegs ist im Heldenmythos ganz allgemein dadurch gekennzeichnet, dass in jenem Gefahrenbezirk die „schwer erreichbare Kostbarkeit“ zu finden ist. Die Erringung des Schatzes bedeutet deshalb einen Bewusstseinsgewinn, die Entdeckung der seelischen Wirklichkeit, ein neues Leben oder eine neue Lebensstufe.

Schlaf

Schlaf ist nach Homer der kleine Bruder des Todes, im Märchen stellt er den Zustand einer Verwandlung dar, den Beginn einer Wiedergeburt, die mit dem Zustand der Reifezeit gegeben ist. Im Grunde zeigt der Schlaf ein Eingehen in sich selbst, in das eigene Unbewusste, in dem sich oft Lösungen vorbereiten, die das Tagesbewusstsein nicht fand. Grosse Wandlungen kündigen sich im Märchen oft durch Schlaf, durch die schöpferische Pause an.

Schlange

Die Schlange ist ein ausserordentlich vieldeutiges Symbol. Es reicht von der Schlange des Paradieses über die Midgardschlange der germanischen Mythologie bis zur Äskulapschlange Griechenlands oder die Hydra.
Über die ganze Erde verstreut taucht dieses Symbol immer wieder auf und wird mit den verschiedensten Inhalten erfüllt. Es handelt sich hier offensichtlich um ein Stück unbewusster Naturkraft, das weder gut noch böse ist, wie die Natur selbst, und auf einer noch undifferenzierten, jeder persönlichen Beziehung fremden Stufe des Kaltblüterdaseins steht. Einem solchen Stück Natur entspricht in der Seele des Menschen der Triebgrund und die natürliche, an sich gesunde, aber noch undifferenzierte und unpersönliche Triebhaftigkeit.
Die Schlange bedeutet die Unterwelt, das Chthonisehe, das Angsterregende, Triebhafte und die dunkle Mutter. Sie stellt die unbewussteren physischen Reaktionen der Psyche dar.
Ein weiterer Aspekt ist die oft mythologisch dargestellte Gegensätzlichkeit von Adler und Schlange, als der von Geist und Körper, das archetypische Bild der Feindschaft zwischen Vogel und Schlange. Es ist Symbol des Gegensatzes von Geist und Natur, ein Bild, das sich oft mit dem des Baumes als Sinnbild des inneren Werdens verbindet.

Die Schlange steht aber auch für die Lebensenergie und stellt damit eine Verbindung zur Heilkunst her. Das Symbol der Schlange, die ein heilendes Kraut bringt, ist schon in der altgriechischen Sage bekannt.

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Schlüssel

Schlüssel sind Instrumente der Macht, weil sie ihrem Besitzer ermöglichen zu verschliessen, wie auch Zugang zu erlangen. Sie sind ein Mittel, Unbekanntes zu erschliessen. Schlüssel eröffnen das Geheimnis, zum Beispiel der Code-Schlüssel eine verschlüsselte Botschaft, der Tresorschlüssel einen Schatz. Im Märchen kann es auch eine Ratte sein, die im Sumpfe wohnt und einen Schlüsselbund am Schwanze trägt. Sie erschliesst nämlich die Geheimnisse des Unbewussten.

Schwan

Seine Grösse, das weisse Gefieder und seine grazilen Bewegungen heben den Schwan hervor. Im Hinduismus ist hansa, was Schwan heisst, das Tier des Schöpfergottes Brahma, Symbol göttlicher Reinheit und Mantra zugleich. Die Göttin Parvati, die sich nach dem Schwan sehnt, bedeutet den melancholischen Aspekt und die Schmerzen der Sehnsucht, die im Schwanensymbol mitschwingen. Der Schwan ist Geleiter bei der Himmelsfahrt und Symbol der Entrückung. Er verkörpert gewissermassen die Sehnsucht nach Lebenserneuerung

Sechs

Die Sechs ist seit alter Zeit die Zahl der hochzeitlichen Vereinigung und der „Seelenerzeugung“. Die Sechszahl nämlich ist die zum Zeugen geschickteste, weshalb die Alten sie auch Ehe und Harmonie nannten. Denn sie ist unter denen nach der Einzahl die einzig vollkommene. Und sie sagen einfach, dass sie sowohl männlich wie weiblich sei, wie auch selbst die Aphrodite von männlicher wie weiblicher Art ist.

Sieben

Die Sieben ist die Verbindung der göttlichen Drei mit der irdischen Vier. Es gibt unter anderem sieben Schöpfungstage und die Verbindung der Sieben mit den Planeten und Metallen. In der fernöstlichen Gesundheitslehre werden sieben Energiezentren im
Körper beschrieben, entsprechend den sieben Leuchtern bzw. dem siebenarmigen Leuchter der christlichen Religion. Die Siebenzahl ist oft mit der Seele verbunden. So ist sie die heilige Zahl...Ausserdem
bedeutet die Sieben Stufenfolge, Entwicklung und Wandlung in Richtung zur Acht als der Erfüllung und Ganzheit.

Sonne

Alles Leben auf der Erde ist von der Sonne abhängig. Sie ist der Urgrund des physischen Lebens, wie die Allseele oder Gott Urgrund des spirituellen Lebens ist.
Ihrer vitalen Bedeutung wegen war der Lauf der Sonne früh Gegenstand von Betrachtung und Verehrung. Könige nutzten sie als Zeichen ihrer Macht. So ist die Sonne Sinnbild des Lichts und des männlichen Geistes, des ordnenden Verstandes geworden, während der Mond als reflektierende Lichtquelle der Nacht Symbol des Unbewussten und der Seelentiefe ist. Die Rose, die Sonne, der Mond sind aber auch allgemeine Schönheitssymbole.

Spiegel

Spiegel sind wie Fenster in eine andere Welt, die nicht wirklich ist. Täuschung, wie Entlarvung sind die widerstrebenden Pole dieses Zauberdings. Es ist ein Instrument der Bewusstwerdung, denn erst durch die Verdoppelung alles Seienden, eine Gegenüberstellung zweier Pole, wird dieses für das menschliche Bewusstsein erkennbar. So sieht der Mensch im mythischen Zauberspiegel oft nicht einfach sein Abbild, sondern sein Gegenbild, seinen Schatten. .Oft sitzt im Spiegel angeblich ein Männchen, das die Wahrheit sagt, als Symbol des eigenen Gewissens. Der Spiegel zeigt das wahre Gesicht. Dies ist die erste Mutprobe auf dem inneren Weg, eine Probe, die genügt, um die meisten abzuschrecken.
Spiegel, Auge, Seele und Schatten sind verwandt. Über den Schatten geht das Spiegelbild insofern hinaus, als es noch genauer mit dem Menschen übereinstimmt. Bemächtigt man sich des Spiegelbildes eines Menschen, so hat man nach dem Aberglauben Gewalt über dessen Leben und Tod. Daher kommt es, dass dem Spiegel auf der ganzen Welt zu allen Zeiten besondere Kräfte zugeschrieben
wurden. Der Spiegel sagt alles seitenverkehrt, das legt dem naiven Betrachter die Vermutung nahe, hier könne es nicht mit rechten Dingen zugehen. Der Beschauer sieht im Spiegel, was hinter ihm ist, der Spiegel scheint also mehr zu sehen, als er selbst sehen kann, ein Gedanke, der zu den mannigfachen Formen des Fernsehens und der Prophezeiung mit Hilfe des Spiegels fortgesponnen wurde. Der Spiegel zeigt vor allem dem Beschauer sein eigenes Bild ... das Spiegelbild ist nämlich gleich dem Bilde und dem Schatten ein Stück erweitertes Selbst.
Der Spiegel, der den Dialog mit dem eigenen Abbild, dem alter ego, ermöglicht, ist Instrument der Selbsterkenntnis. Das Unbewusste und die in ihm wirkenden Manifestationen des Selbst sind der unerbittlichste Wahrheitsspiegel im Menschen, die leise, aber nicht zum Schweigen zu bringende innere Stimme, welche alles Unrechte unerbittlich anprangert und der Vernichtung zuführt.
Ganz praktisch interpretiert dient der Zauberspiegel des Mittelalters überhaupt zur Offenbarung des Verborgenen: er weist verborgene Schätze, er macht entfernte Personen, Plätze und Vorgänge sichtbar. Er gehört deshalb auch zum unerlässlichen Handwerkszeug der Zauberer.

Spinnrad

Der Ring, das Spinnrad und die Haspel sind ebenfalls Symbole des Selbst, im besonderen der Frau. Das Spinnrad, mit dem der Faden gesponnen wird, ist ein Bild der Schicksalsverwirklichung, die vom Persönlichkeitskern ausgeht.

Stiefmutter

Die dunkle Seite, der Schatten der Mutter. ln der ödipalen Phase des Mädchens wird die Mutter in zwei Gestalten geteilt, in die gute Mutter der vor-ödipalen Zeit und die böse Stiefmutter der ödipalen Zeit. Als bedrohliche Figur besteht eine gewisse Verwandtschaft zwischen der Stiefmutter und der Hexe, der Zauberin oder der Riesin.

Storch

Während der Schwan als Seelengeleittier mehr die lichte Seite betont, lebt im Storch ein verwandtes Sinnbild mit mehr irdischer Tendenz. Er ist ahd. der adebar, das heisst Bringer und Träger des Lebens, das er aus dem Sumpf, dem Wasser bzw. dem Frau-Holle-Brunnen holt.

Sumpf

Der Sumpf ist ein Ort der grossen Fruchtbarkeit, weil sich hier Wasser und Erde wie bei der Urzeugung mischen. Storch und Frosch haben ihren Wohnsitz im Sumpf. Er ist der Schoss der grossen Mutter, der gebiert und verschlingt. Das männliche, ordnende Prinzip hat hier keinen Platz.

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